Beethoven Opus 13 signature

Der Augenzeugenbericht des Stenographen Peter Vossen

Noch nie in der deutschen Rechtsgeschichte sind Angeklagte mit einer derartigen Brutalität und mit einer derart fanatischen Rücksichtslosigkeit behandelt worden wie in diesem Prozeß. Wie gemeine Mörder wurden sie, jeder von zwei Beamten der Gestapo an den Ärmeln geleitet (ohne Kragenbinde und Hosenträger), in den Gerichtssaal geführt. Schon rein äußerlich sah man allen Angeklagten an - und bei ihrer Vernehmung steigerte sich mir noch dieser Eindruck -, daß sie nach all diesen erlittenen Quälereien der Untersuchungshaft bloß das eine ersehnten: das baldige Ende dieser körperlichen und geistigen Folter. Bei einem von ihnen waren noch die Spuren der Mißhandlung sichtbar. Bezeichnend für die unmenschliche Verhandlungsführung war es, daß es keinem der Angeklagten gestattet wurde, sich über die Motive der Tat auszulassen. Alle Angeklagten mußten es sich von diesem früheren Rechtsanwalt gefallen lassen, als Lumpen, Verräter und feige Mörder bezeichnet zu werden. So wurde die Prozeßführung zur Karikatur einer Gerichtsverhandlung, was sich auch darin zeigte, daß der Vorsitzende mit schauspielerischem, brutalem und erbarmungslosem - anscheinend vor dem Spiegel einstudiertem - Gesichtsausdruck an der Spitze seiner Mitrichter wie ein zweiter Robespierre den Saal betrat. Nichts von Menschlichkeit in dieser widerlichen Fratze mit den großen, von den Lidern halb überdeckten, gleisnerisch hinterlistigen Augen. Mit einer Stimme, die entgegen allen Geheimhaltungsvorschriften wie eine Posaune in den umliegenden Straßen gehört werden mußte, erklärte er alle acht Angeklagten für schuldig des vollkommensten Verrats am Führer, am Gefolgsherrn, an allem, was das deutsche Volk sei und habe, an der deutschen Geschichte, an allen deutschen Männern und Frauen. In schwülstigem, hier und da an altdeutsche Sprüche anklingendem Stil wiederholte er immer wieder dieselben Phrasen, um schließlich alle Angeklagten wegen der „schimpflichsten Tat, die je unsere Geschichte gesehen hat", zum Tode durch den Strang zu verurteilen. Er beendete die Urteilsverkündung mit den großsprecherischen Worten: „Wir kehren zurück in das Leben, in den Kampf. Wir haben keine Gemeinschaft mit ihnen. Das Volk hat sich von ihnen befreit, ist rein geblieben. Wir kämpfen. Die Wehrmacht grüßt: Heil Hitler. Wir alle grüßen: Heil Hitler. Wir kämpfen mit unserem Führer, ihm nach für Deutschland. Wir haben die Gefahr jetzt abgeschüttelt, wir marschieren mit totaler Kraft hin zum totalen Sieg."

Die brutale und fanatisch-rücksichtslose Verhandlungsführung von Freisler gegen die Männer des 20. Juli.




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