Beethoven Opus 13 signature

Theo Kreiten schreibt über die Hinrichtung seines Sohnes:

Das Unfaßbare war zur Wirklichkeit geworden. Karlrobert war einer von Verbrechern gehandhabten Justiz zum Opfer gefallen, die unter dem Deckmantel eines sogenannten Gerichtsverfahrens den nichtnationalsozialistisch Gesinnten kaltherzig dem Henker überlieferte. Aus propagandistischen Gründen wurde hier sinnlos mit roher Gewalt ein junges, von hohen Idealen erfülltes Leben zerstört. Die schwerste Prüfung hat er starken Herzens wie ein Held bestanden. Einen Abschiedsbrief zu schreiben ist ihm nicht gestattet worden. Karlroberts letzte Worte galten seinen Angehörigen. Die Eltern, Grand'maman und Rosemarie möchten sich um ihn keinen Kummer machen.

Wie schwer diese letzte Prüfung gewesen war, schildert der Gefängnisgeistliche der Strafanstalt Berlin-Plötzensee erschütternd in seinen nach Kriegsende veröffentlichten Erinnerungen.

"Mit Grauen erinnere ich mich an jene schaurige Nacht nach einem Luftangriff, bei dem das Haus in Brand geriet, in dem dreihundert zum Tode Verurteilte gefesselt lagen. Keiner kam durch Bomben zu Tode, aber in der nächsten Nacht wurden einhundertsechsundachtzig in Gruppen zu acht hintereinander erhängt, ohne daß man ihnen Zeit zu einem Abschiedsbrief gelassen hätte, kaum daß uns Geistlichen die Möglichkeit zu einem letzten tröstlichen Wort, zu einem kurzen Gebet verblieb. Unter ihnen befand sich der bekannte rheinische Pianist Karlrobert Kreiten, einer der besten aus unserem jungen Künstlernachwuchs, der für einen landläufigen Witz zum Tode verurteilt war und für den noch ein Gnadengesuch lief. Erst in der Morgenfrühe um 8 Uhr stellten die Henker wegen Übermüdung ihre blutige Arbeit ein, um sie am Abend wieder aufzunehmen."

Persönlich ließ uns Pfarrer Buchholz in einem Schreiben wissen:

„ ...diese eine Versicherung kann ich Ihnen geben: Er ist diesen letzten Weg ganz gefaßt und ruhig gegangen, er ist gut gestorben. Leider hatte ich nicht viel Zeit für den einzelnen, aber an Ihren Karlrobert erinnere ich mich besonders gut, weil er mich gleich ansprach und mir der Name Kreiten bekannt war und weil mir sein Schicksal besonders naheging. Darum habe ich mich seiner vor allem angenommen, habe mir seine Wünsche notiert, seine letzten Grüße an die Seinigen, Eltern, Grand'maman und Schwester mitgenommen, habe dann mit ihm Reue und Leid erweckt und ein kurzes Gebet gesprochen und ihn so bereit gemacht für seinen Weg hin zu Gott."

Gefängnispfarrer Harald Poelchau berichtet:

"Mit Einbruch der Dunkelheit am 7. September begann der Massenmord. Die Männer waren in mehreren Gliedern hintereinander angetreten. Sie standen da, zunächst ungewiss, was mit ihnen geschehen sollte. Dann begriffen sie. Immer je acht Mann wurden namentlich aufgerufen und abgeführt. Einmal unterbrachen die Henker ihre Arbeit, weil Bomben in der Nähe krachend niedersausten. Die schon angetretenen fünf mal acht Mann mussten für eine Weile wieder in ihre Zellen eingeschlossen werden. Dann ging das Morden weiter. Alle diese Männer wurden gehängt. Die Hinrichtungen mussten bei Kerzenschein durchgeführt werden, da das elektrische Licht ausgesetzt hatte. Erst in der Morgenfrühe, um acht Uhr, stellten die erschöpften Henker ihre Tätigkeit ein, um sie am Abend mit frischen Kräften wieder aufnehmen zu können.
In diesen drei Septembernächten starben 360 Menschen den Tod am Galgen: Lehrer, Beamte, Arbeiter, Kaufleute, Offiziere und Künstler. Neben dem Hinrichtungsschuppen lag noch tagelang ein Berg von nackten Leichen. Sie konnten nicht fortgeschafft werden, weil die heftigen Fliegerangriffe jeden Transport verhinderten. Auch das gehört zu den grauenhaften Eindrücken, die ich nie vergessen kann: die entstellten, bleichen Körper von Menschen, aufeinandergeworfen wie Lumpen."




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