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Peter Wapnewski zum Gedenken an Karlrobert Kreiten

Kreiten-Gedenken

Karlrobert Kreiten

Warum also er?

"Wen die Götter lieben..." (so der Titel des Buches, das der Vater Theo Kreiten nach dem Krieg über seinen Sohn Karlrobert schrieb*).
Ein erhabener, seit den Tagen der Antike trösten wollender Gedanke - nur ist er hier nicht so recht am Platze, es müßten denn die Götter unter den Millionen Toten des Hitlerkriegs die meisten geliebt haben. Denn die meisten waren jung. Und Hitler hat mit Hilfe seines korrupten Volksgerichtshofs, mit Hilfe willfähriger Rechtswahrer Zehntausende henken lassen - und viele darunter noch jung. Unter ihnen allen Karlrobert Kreitens zu gedenken ist nicht etwa aus dem Grunde erlaubt, daß er, wie man zu sagen pflegt, zu den größten Hoffnungen berechtigte. Das taten ungezählte andere auch. Man wird ihm, seiner Aufrichtigkeit, seiner Tapferkeit und seinem Leiden nur gerecht, wenn man ihn als Zeugen für viele begreift, ihn exemplarisch erfährt. Als Repräsentanten all derer, die ohne Schuld waren -- ohne Schuld auch da, wo das geltende Gesetz sie schuldig sprach. Man wird diesem einen Toten nur gerecht, wenn man in ihm das große Schattenheer der auf gleiche Weise Getöteten sieht; wenn man keine Ruhe findet beim Fragen danach, warum die anderen überlebten. Seiner Person gilt das "Requiem" **, weil man inmitten der namenlosen Masse der Gequälten und Gemordeten in ihm den Menschen mit den faßlichen Zügen, dem persönlichen Schicksal erkennt - und sich bewußt wird, daß auch den anderen ihre faßlichen Züge, ihr eigenes Schicksal zukam. Nun aber: Wenn er "ganz gefaßt und ruhig" war, als er sterben sollte - wie gefaßt und ruhig mögen fortan die gelebt haben, die schuldig waren an seinem Tod? Die drei Denunziantinnen und seine Richter.

* vom Herausgeber dieser Webseite hinzugefügt
** „Requiem für Karlrobert Kreiten" von Hartmut Lange. Veröffentlicht in: Tod eines Pianisten. Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hg.: Friedrich Lambart. Berlin 1988




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